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Ein Stern gegen das Heimweh

So fing alles an vor fast 200 Jahren in Herrnhut...

Stern_Baltasar_18cm_gelb_outdoor_beleuchtet-300x268Der Herrnhuter Stern leuchtet im Advent in vielen Fenstern, Kirchen und Schaufenstern. Seine besondere geometrische Form, die warmen Farben, die praktische Auf- und Abbauanleitung und seine Verbindung zur Herrnhuter Brüdergemeine macht ihn zu einem der beliebtesten Schmuckstücke im Advent.

Dieser Stern erinnert uns an den Stern von Betlehem. Diesem folgten die „Weisen aus dem Morgenland“ (Mt 2,1), weil er eine neue und alles verändernde Zeit ankündigte. Statt im Palast des Königs fanden sie den Hoffnungsträger in einer kleinen Behausung in Betlehem. Es war Jesus – ein gerade neugeborenes Kind einfacher jüdischer Eltern.

Doch wie kam es zu dem Stern bei den Herrnhutern? Seit dem 16. Jahrhundert wurden durch die Gegenreformation in Deutschland viele Evangelische verfolgt. Nikolas Graf von Zinzendorf gab 1722 den Verfolgten Asyl auf dem Gut Berthelsdorf. Schon kurz nach der Gründung der Herrnhuter Brüdergemeine entsandten die Brüder und Schwestern in viele Teile der Welt Missionare. Teil ihrer christlichen Botschaft war das Verständnis von der Gleichheit aller Menschen, der Bedeutung der Bildung für Kinder und Erwachsene sowie die tägliche notwendige Versorgung (Heimat, Essen, Landwirtschaft).

Sobald die Kinder ins schulfähige Alter kamen, wurden sie nach Deutschland in Internate gebracht. Natürlich hatten sie großes Heimweh.

Zum 1. Advent bastelten die Kinder solche Sterne im fächerübergreifenden Unterricht von Mathematik, Kunst und Religion. Die ersten Farben waren weiß und rot. Weiß für die Reinheit, das klare Licht des Himmels bzw. auch das Licht des Auferstandenen sowie Rot für das Blut Jesu, seine Liebe, seine Barmherzigkeit.

Seit dieser Adventszeit schmückten diese Sterne die Fenster gegen das Heimweh der Kinder.
Wir haben seit langem diese Tradition übernommen, manchmal ohne den Ursprung zu kennen. Aber vielleicht sind auch für uns die Sterne Ausdruck unserer Sehnsucht nach Heimat, nach der Nähe Gottes in unserem Leben hier auf der Erde, Sehnsucht nach innerem und äußerem Frieden.

HerrnhutWie sehr erst müssen sich die Menschen danach sehnen, die aus ihrer Heimat fliehen, um dem Hunger, der Angst oder dem Tod zu entkommen. Wie sehr werden sie nach einem Licht suchen am Ende ihres langen ungewissen Weges. Wie sehr werden sie in der Nacht und am Tag beten zu dem Gott, der alles Leben geschaffen hat, in der (Glaubens-) Sprache, die ihnen seit ihrer Kindheit vertraut ist.

Wie diese Menschen war auch Jesus mit seinen Eltern auf der Flucht vor dem Tod. Jesus ist keine Finsternis fremd, kein Heimweh und darum den Kindern der Missionare ganz nah, und allen nah, die verängstigt sind im Blick auf die Zukunft.

Doch das Verheißungsvolle ist, dass Jesus mit seinem ganzen Leben bis hin nach Emmaus und Jerusalem den Himmel geöffnet hat, ein Licht aufleuchten ließ „über denen, die im Finstern wandeln“, wie wir bei Jesaja 9 lesen. Jesus holt die im Dunkeln sind in die Mitte, ins Licht. Gibt den Kindern, den Frauen, den Armen, den Entrechteten, den Krankgemachten Raum zum Leben und Lieben und sich freuen. Jesus gibt ihnen Geborgenheit und Heimat.

Wie der Stern die Dunkelheit erhellt, so kommt Gott vom Himmel zur Erde, damit wir uns von Gottes Liebe verwandeln lassen, damit der Friede auf Erden kein frommer Wunsch bleiben muss, damit wir singen können wie Hanns Dieter Hüsch „Ich bin vergnügt, erlöst, befreit“.

Eine gesegnete und fröhliche Weihnachtszeit!

Ihre Pfarrerin Gudrun Weber-Gerhards