Herzlich willkommen!

Einladung zu Mahnwache und Lesung

Am 9. November lädt der Arbeitskreis Mahnwache wieder zum stillen Gedenken an die Pogromnacht von 1938 und zu einer anschließenden Lesung mit Musik in der Christuskirche ein. Konfirmandinnen und Konfirmanden von Pfr. Göbler werden unter der Anleitung von Martin Autschbach die Geschichte der Familie Salomon in Erinnerung rufen, dazu gibt es Musik von der Kirchenband.

Plakat Mahnwache

Friedensdienst in Uganda

Unser Presbyter Santino Kopp berichtet aus dem Osten Afrikas

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Fast ein Jahr ist nun vergangen, seit ich mich aus dem Westerwald nach Uganda aufgemacht habe, um meinen Internationalen Christlichen Friedensdienst mit der Organisation EIRENE aus Neuwied im Herzen Ostafrikas zu leisten. Seither lebe und arbeite ich in der Gemeinschaft der EIRENE-Partnerorganisation Salem Brotherhood und unterstütze mit meinem Einsatz deren Arbeit hier im ländlichen Uganda. Das Leben und Arbeiten erfüllt mich trotz bestehender Herausforderungen sehr, ich mache unzählige bereichernde Erfahrungen, durfte viel lernen und wundervollen Menschen begegnen.

9b6465dc-f05f-4da9-a558-a36f3a7a1c55Nach einer dreiwöchigen Vorbereitungszeit in der Hauptstadt Kampala kam ich in das Salem-Dorf, mein Lebens- und Arbeitsort. Es liegt im Osten Ugandas an den Ausläufern des Mount Elgon-Gebirges mit seinem 4231 Meter hohen Gipfel. Die weitere Umgebung von Salem ist, neben der nahgelegenen Stadt Mbale, wie die meisten Regionen Ugandas von kleinflächiger Landwirtschaft geprägt und besitzt ein tropisch-feuchtes, durch die relative Höhenlage (etwa 1000 Meter) jedoch etwas gemäßigtes Klima. Die seit Anfang der 1980er Jahre bestehende Organisation trägt mit ihren verschiedenen Projekten stark zu einer positiven Entwicklung der umliegenden Gemeinden bei und unterstützt viele Menschen in schwierigen Situationen. Es gibt hier ein Krankenhaus, eine Krankenschwesternschule, ein Kinderheim, insgesamt acht Baumschulen, eine kleine Grundschule, eine Schreinerei und vieles mehr.

Das Salem-Dorf gleicht einer grünen Oase und ist mit großen Bäumen bewachsen, die vielen Vögeln sowie einigen Affen und Fledermäusen ein Zuhause bieten. Seit meiner Ankunft in Salem bin ich zumeist im Kinderheim und den Baumschulen engagiert. In meiner täglichen Arbeit unterstütze ich das Team des Kinderheims bei der Betreuung der Kinder, helfe beim Kochen, arbeite im Garten; wir spielen, singen und tanzen.

e0d66e12-97e0-4209-a5d8-6522e5f83fe7Auf dem Feld des Kinderheims werden Mais, Bohnen, Maniok und Erdnüsse angebaut, des weiteren wachsen im Garten neben dem Kinderheim Bananen, Matoke (grüne Kochbananen) und Tomaten. Darüber hinaus gibt es Avocado-, Papaya- und Mango-Bäume sowie einige Hühner, Enten und Truthähne. Gekocht wird über dem offenen Feuer, meistens wird Poscho (Maisbrei) mit Bohnen gegessen. Ich begleite Kinder ins Krankenhaus, helfe in den Baumschulen aus und unterstütze das Projekt meiner Mitfreiwilligen Kristin, die ihren EIRENE-Friedensdienst in der Straßenkinderorganisation CRO in Mbale leistet. In der Stadt leben bis zu 500 Kinder vollständig auf der Straße, zumeist aufgrund von zerrütteten Familienverhältnissen, Armut und häuslicher Gewalt. Das harte Straßenleben der Kinder ist von Drogenkonsum und Gewalt geprägt und ohne die Arbeit des CRO besitzen die Heranwachsenden keinerlei Zukunftsperspektive.

187496e7-a335-4612-b64a-9aa757c37b7fDie Organisation versucht die Lebensgeschichte und Herkunft der Kinder herauszufinden, um sie dann nach Möglichkeit zu rehabilitieren, d.h. vom Leben auf der Straße in Schule und Gesellschaft zu integrieren. Die Betreuung durch die Sozialarbeiter:innen vor Ort sowie die Möglichkeit für die Kinder, ihre Kleidung zu waschen, zu spielen und eine warme Mahlzeit einzunehmen, sind die für die Kinder täglich stattfindenden Programme der Organisation. So bin ich auch mit dem CRO sehr verbunden und helfe immer wieder bei verschiedensten Aktionen. In meiner Freizeit verbringe ich häufig Zeit mit den Freunden aus dem Dorf, wir gehen zum Wandern in die Berge oder erkunden die nähere und fernere Umgebung mit dem Motorrad.

In der umliegenden Region im Osten Ugandas sind etwa fünf verschiedene Volksgruppen beheimatet, welche die unterschiedlichsten Sprachen und Traditionen besitzen. Mit der Zeit gelingt es mir, neben dem grundlegenden Luganda einfache Konversationen auch in diesen anderen Sprachen zu verstehen.

IMG_6130Dabei kann Uganda in Zeiten globaler Krisen und Konflikte als äußerst positives Beispiel der Völkerverständigung dienen, denn trotz vieler Unterschiede leben die verschiedenen Volksgruppen seit dem Ende der Bürgerkriegswirren in den 1980er und 90er Jahren genauso wie die Angehörigen verschiedener Konfessionen im Land äußerst friedlich zusammen. Viele Menschen in Uganda sind stolz auf diesen Frieden in ihrem Land, der insbesondere durch die vollständige Entwaffnung der verschiedenen Konfliktparteien zum Ende des 20. Jahrhunderts herbeigeführt wurde.
Spiritualität und Religion nehmen unterdessen für nahezu alle Menschen hier eine äußerst wichtige Rolle ein und auch zwischen den etwa 80 Prozent Christen und 20 Prozent Muslimen im Land gibt es kaum Verständigungsprobleme. Die Gottesdienste sind stets sehr lebhaft gestaltet, es wird viel gesungen und getanzt. Auch im Alltag der Menschen spielen Gebet, Andacht und der Austausch über Gott und religiöse Themen eine wichtige Rolle. Trotzdem muss auch erwähnt werden, dass neben vielen positiven Elementen, gerade die von den amerikanischen Freikirchen getragene „Born Again”-Bewegung inzwischen über teils starken gesellschaftlichen und politischen Einfluss verfügt. Trotz dieser sich stellenden Herausforderungen, auch aufgrund der schwierigen Lebenssituationen vieler Menschen, befinde ich mich an einem Ort der positiven Veränderung und die Arbeit bereitet mir große Freude.

Am Abend spiele ich hier häufig Fußball mit den Männern aus dem angrenzenden Dorf und genieße die Stimmung auf dem Feld, wenn neben dem Spiel die Sonne untergeht, die Kühe und Ziegen ins Dorf getrieben werden, sich der Tag dem Ende neigt und die vielen am Tage ruhenden Frösche, Insekten und Vögel die Dunkelheit der Nacht zum Singen bringen.

An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön für die riesige Unterstützung, den kraftvollen Aussegnungsgottesdienst und die vielen guten Wünsche, die ich von so vielen Menschen erfahren durfte! Diese geben mir Kraft und Halt in meinem Leben so fern von der Heimat und ich freue mich sehr auf ein baldiges Wiedersehen!

Euer Santino

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Jahreslosung 2027

„Fürchte dich nicht, denn ich bin mit dir; hab keine Angst, denn ich bin dein Gott!“ Jesaja 41,10

263_3203_rgbTage gibt‘s, da möchte man sich verkriechen. Ins Schneckenhaus, ins Mauseloch – oder wohin auch immer. Möglicherweise kennt ihr das, vielleicht ist es euch auch schon so ergangen: Bereits beim Aufwachen stellten sich die quälenden Gedanken ein. Ihr dachtet an Aufgaben, die ihr zu bewältigen habt. Einen Termin, eine Begegnung, von der viel abhängt für euch persönlich. Da ist eine Prüfung zu bestehen, ein unangenehmer und darum immer wieder aufgeschobener Besuch ist endlich zu erledigen oder die Ärztin erwartet euch, um mit euch den Befund der letzten Untersuchung zu besprechen. Tage gibt‘s, die mögen wir gar nicht.

Wenn es euch so oder ähnlich ergeht, dann möchte ich euch heute eine Geschichte aus dem sechsten vorchristlichen Jahrhundert erzählen. Da wird ein Teil des Volkes Israel nach Babylon verschleppt. Es leidet darunter, fern der Heimat fremdbestimmt in Bedrängnis und Exil leben zu müssen. Von der hilfreichen Gegenwart Gottes ist indes nichts zu spüren. Die Menschen verlieren die Hoffnung auf eine lohnenswerte Zukunft. Das Volk Israel fragt: „Gott – ist er noch da? Er, der Himmel und Erde schuf, unser Leben wollte, unsere Vorfahren aus Ägypten befreite und uns den Weg wies? Nun scheint er zu schweigen. Und wir stehen da, müde und verloren, als hätten wir mit Gott auch die Kraft zum Leben verloren.“ Am liebsten hätten sie sich irgendwo verkrochen, wenn ... ja, wenn nicht Gott ihnen in die Quere gekommen wäre mit einem überraschenden Zuspruch. Gott sagt nämlich zu seinem Volk: „Fürchte dich nicht, denn ich bin mit dir; hab keine Angst, denn ich bin dein Gott!“

Den Menschen damals hat dieser Zuspruch geholfen. Sie haben sich nicht verkrochen. Sie hielten stand, fassten die Aufgaben, die ihnen gestellt waren, mit neuem Mut an.

Ob euch, ihr Lieben, dieses Wort auch hilft? Möglicherweise sagt ihr jetzt: „Das klingt gut. Doch keine Angst zu haben, furchtlos sein, das kann man doch nicht einfach gebieten. Ein Stimmungsumschwung auf Kommando, wie soll das gehen? Sich aufrichten, Mut haben, von einem Augenblick zum anderen?“

Trotzdem: Manchmal kann so ein Anstoß mir helfen. Dann nämlich, wenn ich vor dem, was der Tag bringt, weglaufen, wenn ich mich vor meinen Aufgaben verkriechen möchte. Dann ist es gut, wenn einer zu mir kräftig und bestimmt sagt: „Komm heraus aus deinem Schneckenhaus, wende dich den Dingen zu, fass deine Aufgaben an! Geh nur getrost in den Tag. Oder ins neue Jahr. Fürchte dich nicht! Hab keine Angst! Ich bin ja bei dir.“ Das ist ein Wort, mit dem es sich leben lässt, finde ich. Vor allem dann, wenn man weiß, wer es sagt.

Ein gesegnetes Jahr 2027 wünscht euch
Pfarrer Martin Göbler